Wohnbau Nordbahnhof

Wohnbau Junges Wohnen Nordbahnhof  |  zweistufiger Bauträgerwettbewerb  |  Planung und ÖBA  |  Bauträger*in: Schöneres Wohnen, Mischek Bau  |  2011  |  Wien

 

Grünraumplanung: Bauchplan ).( Landschaftsarchitekten



Städtebauliche Aspekte

Die vorgegebene Flächenwidmung sieht eine zukünftige Aufwertung und stärkere Frequentierung der Vorgartenstrasse vor. Das Wettbewerbsgebiet grenzt an der Vorgartenstrasse an und ist entlang dieser Grenze mit einer geschlossenen Bauweise gewidmet. Dieser geschlossene Riegel schottet das Wohngebiet und den dazugehörenden Freiraum ab. Durch ein punktuelles Aufbrechen des Riegels und zusätzlicher Anbindung an den dahinterliegenden Freiraum versuchen wir diese Barriere zu perforieren. Dahinter überwiegt die Landschaft. Die einzelnen Freiräume werden ineinander verwebt, sodass die gesamte Freifläche als multifunktionaler Bewegungs- und Aufenthaltsraum begriffen wird. Die Baukörper für die ausgewiesenen Bauplätze werden zu kompakten Blöcken komprimiert. Der Freiraum wird so maximiert, um den zu erwartenden Nutzerdruck gendergerecht aufzunehmen. Die Tiefgarage ist so in das Bestandsgelände geschoben, dass sie oberhalb des Grundwasserpegels liegt und dem Freiraum eine barrierefreie Topografie vorgibt. Eine flache Welle zieht sich von der südwestlich gelegenen Straße über das Grundstück um kontinuierlich mit den „versunkenen Gärten“ an der Vorgartenstraße zu verschmelzen. Geländeaufklappungen bilden zugänge zur Tiefgarage und auf das Gelände. Die Baukörper sitzen nur teilweise auf dem Gelände auf. Die Freiräume „unterwandern“ die Baukörper. Durch die topographische Gestaltung desFfreiraums, bilden sich differenzierte Nutzungsmöglichkeiten, welche an die Bedürfnisse der Bewohner*innen angepasst werden. Das Straßenniveau der Vorgartenstraße wird über die versunkenen Gärten hinweg mittels Brücken zum hinter dem Riegel gelegenen Freiraum verbunden.

 

das Stadt-Dorf

Unser Stadt-Dorf besteht aus zwei Baukörper – das Hauptgebäude, ein kompakter Block, und das Nebengebäude, ein Satellit. Beide sind miteinander über eine Brücke im 2. Obergeschoss verbunden. Der Freiraum ist in den umgebenden Grünraum und dem Platz zwischen den beiden Gebäuden, der „Plaza“, differenziert. Die Tiefgarage schiebt sich zu einem überwiegenden Teil unter das Hauptgebäude und ist mit Split-levels organisiert. Das oberste Parkdeck liegt nur 2 Meter unter dem bestehende Terrain, sodass das dach der Garage die Topografie des Grundstücks modeliert. Dadurch und durch die weitere Gestaltung des Freiraums bilden sich differenzierte Nutzungsmöglichkeiten, welche den Bedürfnissen der Bewohner angepasst werden und von diesen barrierefrei genutzt werden können. Das Erdgeschoßniveau der Gebäude selbst ist um ca. 80 cm über das bestehende Terrain herausgehoben. Die Aufklappung der Tiefgarage wird im Freiraum als Spiel- und Präsentationshügel. Die Erdgeschosswohnungen und deren vorgelagerten Loggien sind so Straßenseitig vor Einsicht geschützt. Die zur Plaza hin offen gestaltete Erdgeschoßzone ist Teil der umliegenden Topographie. Der Freiraum wird in das Gebäude hineingezogen. das Außen geht fließend in das Innen über. Die in dieser Zone vorgesehene „Spielwiese“ - ein Spiel- und Toberaum für die 3-10 Jährigen - ein großzügiger Fahrrad- und ein Kinderwagenabstellbereich lassen sich zur Plaza hin großzügig öffnen.

 

Junges Wohnen und „Micro-Economies“

Das Wohnungsumfeld wird bei jungen Menschen, die nicht oder noch nicht in herkömmliche Arbeitsprozesse eingegliedert sind intensiv genutzt. Die Wohnung stellt nicht nur Schlafstätte dar, sondern übernimmt die Funktion des Arbeitsplatzes, eines Kommunikationsraumes, der Werkstatt, aber nicht nur bei jungen Menschen sind der Rhythmus, die Dauer, die Sequenzen und Regelmässigkeit der Arbeit und des täglichen Lebens nicht mehr klar strukturiert. vielmehr sind flexible Arbeitszeiten gefordert, die oft auch zeitlich begrenzt und daher unregelmäßig sind. Das fehlen einer einheitlichen Struktur wirft zahlreiche Probleme sozialer Art auf (Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft). Unsere Städte, insbesondere aber unser Wohnumfeld und die zugeordneten Freiräume sind dafür (noch) nicht ausgelegt. Unzureichende ökonomische Absicherung führt zu einer notwendigen Erweiterung der (Erwerbs-)tätigkeit. Diese umfasst u.a. soziale Tätigkeiten, traditionelles Handwerk aber auch Dienstleistungen wie Nachhilfeunterricht und diverse selbstständige Tätigkeiten (dj, webdesign, …). meistens sind diese Tätigkeiten in keiner Erwerbsstatistik erfasst. Sie finden in einer Grauzone, in einer Art Schattenwirtschaft statt. diese „micro-economies“ benötigen zunehmend Raum und sind in herkömmlichen Wohnbaustrukturen nicht vorstellbar. s.g. Aneignungsräume aber auch große Teile der Erdgeschoßzone , die den versunkenen Gärten zugeordnet ist sowie die s.g. „salettln“ sind für diese „micro-economies“ vorgesehen. Dadurch werden Möglichkeitsräume geschaffen, die es erlauben dem gesellschaftlichen Druck an einem markanten Ort eine eigene Tätigkeit entgegenzustellen.

 

Aneignungsräume

Räume ohne deklarierte funktionale Zuordnung. Sie sind in das Wohnungsgefüge der Stadt-Dörfer eingewoben und bieten den Bewohnern die Möglichkeit auszuweichen und sich zurückzuziehen. Sie bieten temporäre Privatheit und sind dem einzelnen Individuum zugeordnet und von ihm zu okkupieren.

 

Gemeinschaftsräume stellen Orte der Kommunikation dar. Im Unterschied zu den Aneignungsräumen, die der Konzentration dienen, sind die Gemeinschaftsräume Orte der Kommunikation und des Austausches. Teilweise sind sie funktional determiniert (Waschküchen, Müllraum), teilweise für differenzierte Bespielung offen. Eine Durchmischung von Aneignungsräumen und Gemeinschaftsräumen entlang der Vorgartenstrasse nutzt die zusätzlich belichtete Zone der versunkenen Gärten.

 

Freiräume

Eine Vielzahl an multifunktionalen Aufenthaltsräumen verweben sich zu einem Teppich unterschiedlichster Aneignungsflächen. Auf den beiden zentralen langgestreckten Quartiersplätzen bilden sich Treffpunkte und Begegnungsräume, welche das Zentrum der Wohnhausanlage bilden und die unterschiedlichen Nutzergruppen unter anderem für Quartiersfeste nutzen können. Der Freiraum wird in 4 Bereichen strukturiert, die jeweils andere Beläge aufweisen, und so Identifikation stiften und Orientierung geben. Diese gendergerechten Aufenthaltsbereiche ermöglichen eine Aneignung durch unterschiedlichste Nutzer, bleiben jedoch offen für gemeinsame Tätigkeiten. Spielmöglichkeiten sind den offenen Erdgeschosszonen zugeordnet, um kurze Wege und Einsichtigkeit zu gewährleisten. Ein vielfältiges Angebot an Sportflächen gibt Jugendlichen die Möglichkeit ihrem Bewegungsdrang nachzukommen, und kann dabei helfen soziale Konflikte zu minimieren. Baumbestandene Rückzugsräume entlang des Riegels schaffen Ruheinseln.

 

Ökonomie

Neben Maßnahmen zur generellen Senkung der Kosten wird auch vom Bauträger Flexibilität für die Höhe der Eigenmittel bei Bezug angeboten. Der zukünftige Nutzer beeinflusst maßgeblich die Höhe seiner Miete durch die Wahl verschiedener Varianten seines aufzubringenden Finanzierungsbeitrages. Somit soll auch jüngeren Mietern der Einstieg in die ersten eigenen vier Wände durch leistbare Finanzierungsbeiträge gewährleistet werden