Garten der Erinnerung
Denkmal für vertriebene und ermordete Lehrpersonen der Wiener Volkschulen während der NS-Zeit | Auftraggeber*innen: Robert Streibel/Wiener Volkschulen GmbH | 2026 | Wien | VHS Hitzing
Visualisierung: RAHM Architekten Ausgangssituation Der „Garten der Erinnerung“ erinnert an
die während der NS-Zeit vertriebenen und ermordeten
Lehrenden der Wiener Volkshochschulen. Die Volkshochschulbewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts
entstand, basierte auf Werten wie Wissenschaftsorientierung, Demokratie und überparteilicher Neutralität.
Nach personellen „Säuberungen“ im Austrofaschismus wurden diese Prinzipien aufgegeben. Der „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland führte zur
Zerschlagung der freien Volksbildung und die Volkshochschulen wurden zu Instrumenten nationalsozialistischer Propaganda. Die Aufzeichnungen über alle
Vortragenden vor 1938 wurden von den Nazis vernichtet. Es bedurfte eines engagierten jahrelangen Forschungsprojektes
des Österreichischen Volkshochschularchivs unter Leitung von Christian H. Stifter und
Robert Streibel um alle Angebote der Lehrenden der
Wiener Volkshochschulen seit 1887 wieder aufzuspüren und in einer Datenbank zu erfassen. Dieses Forschungsprojekt, das sich dem Schicksal
der durch den NS-Staat vertriebenen und ermordeten Personen der Erwachsenenbildung widmet, ist im
deutschsprachigen Raum einzigartig und die Namen
dieser Menschen sollen durch den Erinnerungsort im
öffentlichen Raum dauerhaft sichtbar gemacht werden. Künstlerische Konzeption Der „Garten der Erinnerung“ wird neben der VHS
Hietzing errichtet und ist 1128 Volkshochschulvortragenden, die ins Exil gezwungen worden sind, 165
Personen, die ermordet wurden, 21 Personen, die
aus Verzweiflung Selbstmord verübt haben, sowie 52
Personen, die das KZ überlebt haben, gewidmet. Ihre
Namen sowie ihr Geburts- und Todesjahr sind auf Namensplaketten eingraviert. Diese werden auf einem
Seil-Netz aus Edelstahl angebracht. Die Namensplaketten sind alphabetisch in Sichthöhe daran
befestigt, wobei sie mit Abstand zueinander platziert
sind, um den Blick auf die dahinterliegenden Gartenbeete zu ermöglichen. Nach oben hin verdichten sich weitere Plaketten ohne
Namen, wodurch ein sich veränderndes Muster entsteht,
das einen wechselhaften Licht- und Schattenwurf erzeugt. Im Sommer bieten diese Plaketten den
Besucherinnen in der Laube einen Schutz vor der
ganztägig einfallenden Sonne. Die Beete werden mit
Wildpflanzen bepflanzt, die zu verschiedenen Jahreszeiten blühen. Zudem werden Kletterpflanzen entlang
des Seilnetzes emporwachsen. Bei Wildpflanzen handelt es sich um Pflanzen, die
nicht durch menschliche Züchtung oder Anbau verändert wurden.
Sie stehen für das „wildwüchsige“ Denken, welches die Volkshochschulen vor und nach dem
Faschismus prägt. Die Volksbildner:innen, deren Namen in dieser Installation mit den Pflanzen „verwoben“
werden, repräsentieren die Idee von freier Bildung
für alle und Emanzipation durch Wissen. Sie stellten
eine Bedrohung für die systemkonforme Volkserziehung der Nazis dar und wurden als Widersacher des
faschistischen Ideals von Zucht und Ordnung verfolgt
und bekämpft. Baulicher Entwurf Das Projekt ist auf einem Teilstück der Liegenschaft
mit der Grundstücksnummer 273/14 an der Ecke Speisinger Straße und Feldkellergasse geplant. Ehemals
hat sich hier eine Tankstelle befunden. Nach wie vor
befindet sich hier ein eingeschossiges Betriebsgebäude der Wien Energie mit einer Grundfläche von rund
66 m2 mit der Adresse Speisinger Straße 39. Ein Teil
des Eckgrundstücks wird als Parkfläche für die VHS
genutzt, die sich angrenzend auf dieser Liegenschaft
mit der Anschrift Hofwiesengasse 48 befindet. Im brachliegenden Bereich zur Feldkellergasse soll
nun der „Garten der Erinnerung“ errichtet werden.
Dieses Teilstück ist 224,5 m2 groß und schließt an
das Gebäude der VHS an. Es ist auf 2 weiteren Seiten
durch den Gehsteig und Richtung Norden durch das
Betriebsgebäude und die Stellplatzfläche begrenzt.
Auf dem Teilstück im Bereich des Gartenprojekts befinden sich 3 Bestandsbäume. Für die Errichtung der Begrünungsbereiche werden
handelsübliche Betonwinkelsteine mit einer Höhe
von 45cm auf den bestehenden Untergrund aufgesetzt,
mit einem Wurzelvlies ausgelegt und mit Hummuserde gefüllt. Die Bepflanzung besteht aus einer abwechslungsreichen Gräser- Staudenmischung,
ergänzt mit Kleingehölzen, welche die Biodiversität und Blattmasse erhöht
und für Wasserrückhalt im Boden sorgt. Die einzelnen
Beete werden sich in der Zusammensetzung der Bepflanzung thematisch unterscheiden,
welche im Vorfeld mit der MA 42 Wiener Stadtgärten abgestimmt
werden. Damit sollen pflegeleichte, abwechslungsreiche Grünflächen geschaffen werden,
die mit integrierten Sitzflächen im Randbereich zum Verweilen einladen.
Für Projektbeschreibung die Bewässerung der Pflanzen wird eine automatische
Anlage zum Einsatz kommen, die an die Wasserentnahmestelle an der Westfassade der VHS angeschlossen wird. Das Leitelement der künstlerischen Intervention ist
als Paravant entlang eines linearen Weges geplant.
Es besteht aus Stehern, die mit den Pflanzenbeeten
kraftschlüssig einseitig errichtet sind, und die sich über
den Weg krümmen. Dazwischen ist ein Seilnetz aus
Edelstahl mit einer Maschenweite von 80 mm eingespannt,
das mit Füllelementen aus Edelstahl in einem
genau definierten Raster versetzt ist. Grundsätzlich sollen die vorhandene Bodenflächen,
wie Waschbetonplatten oder verdichteter Kiesboden,
erhalten und genutzt werden. Um die vorhandenen
Niveauunterschiede an der Grundstücksgrenze aufzulösen,
werden genau dort die Pflanzenbeete situiert.
Verbleibende Stolperschwellen werden ausgeglichen
und damit eine barrierefreie Durchgängigkeit des
Grundstücks sichergestellt. Der Garten der Erinnerung bleibt jedenfalls zu den
Gehsteigen hin offen zugänglich und holt Besucherinnen von dort ab. Zur dahinterliegenden Stellplatzfläche wird durch
das Leitelement der künstlerischen Intervention eine
bauliche und visuelle Abgrenzung sichergestellt. Das
Projekt versteht sich als Add-on zu den vorhandenen
Gegebenheiten, stellt wiederverwendbare Einzelelemente hinzu und ergänzt zu einem gemeinsamen Neuen.





